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Aha-Erlebnisse der Böblinger Art

Kreiszeitung Böblinger Bote - Artikel vom 22. Oktober 201822.10.2018Fotograf Attila Melzer und Grafik Designer Kornelije Casni

Von Michael Stürm

 

BÖBLINGEN. Für den ehemaligen Lehrer des Böblinger Max-Planck-Gymnasiums und den Grafik-Designer der Kreiszeitung war es rasch klar, dass das Projekt fortgesetzt wird, nachdem der aktuelle Kalender im vergangenen Jahr für Furore gesorgt hatte. Die limitierte Auflage von 300 Stück war bereits im Dezember 2017 ausverkauft. Bis in den Mai 2018 gab es noch Nachfrage nach dem Kalender. Auch die Fachwelt wurde auf das Produkt aus dem Hause Kreiszeitung aufmerksam: Der Einst-und-Jetzt-Kalender erhielt eine Auszeichnung beim Gregor Calendar Award 2018 - ein Wettbewerb, bei dem Kalender aus der ganzen Welt von einer Fachjury bewertet werden.

Für das Jahr 2019 haben Casni und Melzer also erneut zwölf alte Ansichten mit den Perspektiven gemixt, die Böblingen im Jahr 2018 bietet. Heraus gekommen ist ein Kalender, der jede Menge Aha-Erlebnisse garantiert. So schiebt sich im Monat April der Baukörper des im Krieg zerstörten Schlosses über die aktuelle Ansicht des Plattenbühl, im Mai gibt es alte Böblinger Kneipen-Herrlichkeit gegenüber der mächtigen Mercaden-Fassade in der Bahnhofstraße, im Juli komplettiert das ehemalige Rathaus den heute ziemlich leeren Marktplatz und im November macht ein Foto-Puzzle des Seebuckels deutlich, dass sich am Aufgang vom Elbenplatz Richtung Altstadt in den vergangenen 80 Jahren gar nicht so viel verändert hat.

Die digitale Bildbearbeitung macht es möglich, dass die Kalenderbesitzer aus dem aktuellen Böblingen eine Reise in längst vergangene Zeiten antreten können. Attila Melzer platzierte sich mit seiner Kamera exakt dort, wo der Ur-Fotograf einst stand und lieferte die heutige Sichtweise. Dann war Kornelije Casni gefragt: Der Grafik-Experte komponierte Elemente der aktuellen Aufnahme in das historische Foto hinein. So treffen längst vom Zeitlichen gesegnete Perspektiven auf Szenerien, wie sie die heutigen Betrachter wahrnehmen - alt fügt sich an neu, beschauliches Oberamtsstädtchen vereint sich mit Urbanität im 21. Jahrhundert.

Begonnen hat alles mit einem Besuch beim Böblinger Stadtarchivar Christoph Florian. "Mit ihm", erzählt Attila Melzer, "haben wir gemeinsam das Fotoarchiv der Stadt durchforstet". Ganz so einfach war das jedoch nicht. Denn auch wenn das historische Motiv noch so schön und reizvoll war, besaß es noch längst nicht die Kalenderreife. Schwierig wurde es vor allem, wenn die Eingriffe zu massiv waren, die die Moderne in den vergangenen Jahrzehnten am Stadtbild vorgenommen hat oder Licht und Schatten des Originalfotos nur noch schwer rekonstruierbar waren. "Dann funktioniert die Umsetzung am Computer nicht mehr", weiß Computer-Expertin Casni. Und noch etwas machte eine alte Ansicht schnell mal unbrauchbar: mittlerweile erstellte Bauwerke, die die Position des Original-Fotografen heute unerreichbar werden lassen.

Die Autobahn steht im Weg

Wie zum Beispiel auf dem Flugfeld: Dort war es besonders schwierig, herauszufinden, wo der Fotograf stand, als er im Jahr 1929 die Landung des Zeppelins auf dem früheren Landesflughafen für die Ewigkeit dokumentierte. Irgendwann war für die Kalendermacher klar: Dort verläuft heute die Autobahn. "Das macht deutlich, wie riesig der Zeppelin damals war", staunt Attila Melzer. Für Fotograf Melzer blieb nur der Griff zum Weitwinkelobjektiv, für Casni die Tricks und Kniffs des Computerprogramms.

Das Ergebnis ist imposant und zeigt eindrucksvoll wie die legendäre Landung des Riesen-Zeppelins auf dem Flugfeld heute aussehen würde. Wer sich dieses Ereignis im großflächigen A2-Format an die eigene Wand holen möchte: Im Kalender gibt es dieses Ereignis im Juni nachzuerleben.